Schlagwort: Vortrag

Betteln ist ein Recht auf Stadt – Veranstaltungsreihe im September

Die Stadt Dresden will das Betteln einschränken. Zurzeit stehen Verbote von Betteln mit und durch Kinder zur Abstimmung, nachdem bereits Straßenmusiker*innen mit absurden Überregulierungen gegängelt werden. Dafür soll im September eine neue Polizeiverordnung im Stadtrat diskutiert werden. Das Kindeswohl wird vorgeschoben, um zu verschleiern worum es eigentlich geht: Kriminalisierung von Armen, Law&Order-Vorstellungen von den öffentlichen Räumen in der Stadt und autoritäre Fantasien davon, die Stadt „rein“ zu halten vom Anblick der Armut. Sittel, der Ordnungsbürgermeister, antwortete auf den Einwand, dass Kinder damit in illegale Tätigkeiten wie Diebstahl oder Prostitution getrieben würden, er sehe die Gefahr nicht: „vermutlich werden unsere Kontrollen eher eine örtliche Verdrängung in andere Städte zur Folge haben“. Das ist Stadtkosmetik im CDU-Style: Aus den Augen aus dem Sinn.

Gegen diesen Diskurs und gegen die neue Polizeiverordnung hat sich die BettelLobby Dresden zusammengefunden und möchte mit folgendem Veranstaltungsprogramm in die Betteldebatte intervenieren: weiterlesen →

Tresen gegen Antiromaismus im April: Mobilisierung zur Lety-Gedenkfahrt

Am 13. Mai wollen wir zusammen mit Euch nach Lety fahren, um an der jährlichen Gedenkveranstaltung teilzunehmen. Zusammen mit Luisa, der Freiwilligen von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) in der tschechischen Kleinstadt Písek und Lety wollen wir bei unserem Tresen an den Ort der Vernichtung und Verfolgung erinnern, über die aktuellen Entwicklungen zum Gedenken vor Ort informieren und unseren Plan für die Fahrt nach Lety vorstellen.

Lety war von 1940 bis 1943 Zwangsarbeitslager. Ein großer Teil der dort unter lebensgefährdenden Bedingungen lebenden Menschen waren Romnja.

Luisa schreibt: „Ich, als ein Mensch, der sich frei entfalten, Glück, Selbstbestimmung, Freude und Liebe leben möchte, finde es ausgesprochen wichtig, dass jeder meiner Mitmenschen genauso diese Grundrechte leben kann, ohne Diskriminierung zu erfahren. Leider war und ist dies nicht der Fall. Mit meiner Arbeit in Lety möchte ich über die Diskriminierung von Roma damals wie heute dazulernen und versuchen, kleine Zeichen zu setzen, indem ich Lety und meine Aktivität als Freiwillige in Tschechien wie auch in Deutschland mehr in den öffentlichen Fokus rücken möchte. So freue ich mich, bald in Dresden zu Gast zu sein und ein Zeichen gegen Diskriminierung und für ein würdiges Gedenken setzen zu dürfen. Gleichzeitig möchte ich den Aufruf unterstützen, am 13. Mai 2017 zum würdigen Gedenken nach Lety zu fahren.“

Wann?
Mittwoch, 12. April ab 20 Uhr

Wo?
kosmotique, Martin-Luther-Str. 13

Tresen gegen Antiromaismus im Februar: Dresden, Belgrad, Skopje – Eine Reise in die „sicheren Herkunftsländer“

Am Mittwoch, den 8. Februar um 20 Uhr startet das neue Veranstaltungsformat der Gruppe Gegen Antiromaismus:

Clemens Leu und Jörg Eichler, Mitarbeiter des Sächsischen Flüchtlingsrates, besuchten im November im Rahmen einer zehntägigen Recherchereise Siedlungen von Rom*nja in den Balkanländern. Dort sprachen sie mit Menschen, die aus Deutschland in ihre sogenannten „sicheren Herkunftsländer“ abgeschoben wurden: nach Serbien, Kosovo und Mazedonien.

Die Geschichten der Rom*nja über ihre Lebensumstände, alltägliche Diskriminierung, den Kampf um ein Überleben in bitterer Armut und ein menschenwürdiges Dasein bringen wir zurück in das Land, welches sie in diese Situation gebracht hat – oft mit polizeilicher Gewalt

Wir freuen uns auf den Bericht und die Diskussion!

Wann?
Mittwoch, 8. Februar ab 20 Uhr

Wo?
kosmotique, Martin-Luther-Str. 13

Mobi-Vortrag in Chemnitz

Vortrag »Free Lety«
Würdiges Gedenken an den Porajmos statt Schweinemast

Donnerstag, 07.05.2015, 19:00 Uhr
ODRADEK Chemnitz
Leipziger Straße 3

Auf dem Gelände des ehemaligen KZ Lety (Tschechien, ca. 70 km südlich von Prag) befindet sich seit 1973 eine industrielle Schweinemastanlage. Anstatt an die Opfer des Völkermords an dieser Stelle zu erinnern – die Schweinemast also endlich zu schließen – straft die tschechische Gesellschaft und Politik die Opfer und deren Nachkommen seit Jahrzehnten mit Ignoranz, vor allem aber Arroganz.

In diesem Lager wurden über 400 Roma ermordet, Kinder und Frauen vergewaltigt und gequält oder in einem nahe gelegenen See ertränkt. In den Wäldern der Fürstenfamilie Schwarzenberg (auf deren Intention der zunächst noch als Internierungslager geführte Ort entstand) mussten Männer zum Beispiel im Steinbruch schwere Arbeit verrichten und die Straße, welche heute zur Schweinmastanlage führt, bauen. Lety war darüber hinaus auch der Ausgangspunkt für eine Todesreise ohne Rückkehr: Auschwitz.

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Infoveranstaltung zu Aktionstagen in Lety

Kampagne für ein würdiges Gedenken an den Porajmos.

Dresden
Mittwoch, 29.4.15, 20 Uhr
Kosmotique, Martin-Luther-Straße 13

Leipzig
Mittwoch, 29.04.15, 19 Uhr
Fischladen, Wolfgang-Heinze-Straße 22

„Ihr könnt wählen: mehr Geld für Bildung oder wir kaufen die Schweinemastanstalt“ – so antworteten tschechische Politiker in der Vergangenheit, wenn sie von Rom_nija zur Schließung der Schweinemastanstalt auf dem Gelände des einstigen “Zigeunerlagers” Lety bei Pisek aufgefordert wurden.
Im von den Deutschen besetzten Protektorat Böhmen und Mähren wurden ab 1939 Rom_nija inhaftiert, die aus verschiedenen anderen okkupierten Gebieten geflohen waren bzw. umgesiedelt wurden. Auch Lety bei Písek war ein solches Lager, eingerichtet noch unter der Leitung tschechischer Beamter. Mehrere hundert Rom_njia wurden dort zu schwerer Arbeit gezwungen und ermordet; im Frühjahr 1943 wurden die Gefangenen zum großen Teil nach Auschwitz deportiert.

Im Jahr 1973 ließ die damalige kommunistische Regierung der Tschechoslowakei eine große, industrielle Schweinemastanstalt auf dem Gelände des einstigen Lagers in Lety bauen. Sie ist bis heute in Betrieb, obwohl es in den vergangenen zwanzig Jahren immer wieder Proteste und EU-Resolutionen gegeben hatte, die die Schließung der Schweinemast auf dem Gelände forderten.

In der mangelhaften historischen Aufarbeitung des Porajmos spiegelt sich die prekäre Situation von Rom_nija in Europa und auch in Tschechien wieder. Antiziganistische Stereotype bis hin zum offenen Hass und Gewalt gegenüber Rom_nija sind in der Mehrheitsgesellschaft weit verbreitet. Roma und Romnija werden auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt und in anderen Bereichen ihres Lebens diskriminiert. Das Schulsystem ist nahezu durchgehend segregiert.

Der Einsatz für ein würdiges Gedenken an den Porajmos ist deshalb auch ein politisches Zeichen für die Gegenwart.

Mitglieder des Free Lety-Movements aus Tschechien und Deutschland informieren am Mittwoch, den 29.4. ab 20 Uhr in der Kosmotique (Martin-Luther-Straße 13) über die Geschichte von Lety, die aktuelle Kampagne und die Aktionstage in Lety am 13.-16. Mai 2015. Wir wollen besonders diskutieren, wie eine Unterstützung von deutscher Seite aussehen kann.

Das kann so nicht stehen bleiben

Pressemitteilung zur Vortragstour tschechischer Roma-AktivistInnen durch zehn Städte in Deutschland über die Kampagne „Free Lety“ – Für ein würdiges Gedenken an den Porajmos

Tschechische AktivistInnen der Organisation Konexe (Ústí nad Labem) bereisen derzeit zehn Städte in Deutschland, um über die Situation tschechischer Roma zu berichten. Vor allem steht die Situation in Lety bei Písek im Vordergrund, wo auf dem Gelände eines ehemaligen Konzentrationslagers für Rom_nija heute eine Schweinemastanstalt in Betrieb ist.

„Ihr könnt wählen: mehr Geld für Bildung oder wir kaufen die Schweinemastanstalt“ – so antworteten tschechische Politiker in der Vergangenheit, wenn sie von Rom_nija zur Schließung der Schweinemastanstalt auf dem Gelände des einstigen „Zigeunerlagers“ Lety bei Pisek aufgefordert wurden.

Im von den Deutschen besetzten Protektorat Böhmen und Mähren wurden ab 1939 Rom_nija inhaftiert, die aus verschiedenen anderen okkupierten Gebieten geflohen waren bzw. umgesiedelt wurden. Das „Gesetz betreffend Zigeuner und ähnlicher Landstreicher“ von 1927 kriminalisierte zunächst vor allem männliche Roma und Sinti als vermeintlich „arbeitsscheue Personen, die nicht nachweisen“ könnten, dass „ihr Lebensunterhalt sichergestellt sei“ und führte zur Internierung in „Strafarbeitslagern“. Auch Lety bei Písek war ein solches Lager, eingerichtet noch unter der Leitung tschechischer Beamter.

Eine Verschärfung der antiziganistischen Politik setzte mit der Berufung Heydrichs in das Protektorat 1941 und der Verwaltungsreform 1942 ein, innerhalb derer die relative Autonomie der tschechischen Administration aufgehoben wurde. Ab 1942 existierte das Lager für alle als „Zigeuner“ klassifizierte Personen. Im Frühjahr 1943 wurden die Gefangenen zum großen Teil nach Auschwitz deportiert, um dort vergast oder weiterhin durch Zwangsarbeit ausgebeutet zu werden.

Der Aktivist Jozef Miker (Krupka, nahe Ústí nad Labem) berichtet über die Auswirkungen der Geschichte des Lagers Lety auf seine Familie, die zum Teil in dem Lager inhaftiert gewesen ist. Nur wenige haben die rassistische Verfolgung überlebt.

Im Jahr 1973 hatte die damalige kommunistische Regierung der Tschecheslowakei eine große, industrielle Schweinemastanstalt auf dem Gelände des einstigen Lagers in Lety bauen lassen. Diese ist bis heute in Betrieb, obwohl es in den vergangenen zwanzig Jahren immer wieder Proteste bis hin zu EU-Resolutionen in den Jahren 2005 und 2008 gegeben hatte, welche die Schließung der Schweinemast auf dem Gelände forderte. Auch die konkrete historische Verantwortung für das Lager ist Gegenstand der Debatte.

Die Situation tschechischer Rom_nija heute ist extrem prekär. Alle öffentlichen Meinungsumfragen zeigen, dass die Mehrheitsgesellschaft starke Vorurteile gegen Roma hegt und Antiziganismus und Antiromaismus dominieren. Roma und Romnija werden auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt und in anderen Bereichen ihres Lebens diskriminiert. Das Schulsystem ist nahezu durchgehend segregiert.

Ivanka Mariposa Čonková (Prag) kritisiert die Sozialpolitik der tschechischen Regierung und mahnt gleichzeitig die europäischen Institutionen zum Umdenken: „Die Politik der sozialen Integration ist völlig verfehlt, denn sie hört nicht auf, uns Roma als Problem zu benennen, anstatt den Hass, der uns entgegen schlägt.“ Nach wie vor sei es verbreitet, Romnija und Roma selbst für ihre Diskriminierung verantwortlich zu machen. Allein Begriffe wie „Roma-Strategie“, „Roma-Issue“ oder „Roma-Frage“ machten dies in dramatischer Weise deutlich, so Čonková.

Über den schnell zu aktivierenden Hass und das Gewaltpotential gegenüber Rom_nija spricht der Aktivist Miroslav Brož (Ústí n.L.) in seinem Beitrag über die Hassmärsche, die in den letzten Jahren in der tschechischen Provinz stattfanden.

Dass ein Teil dieser Situation – nicht nur in der tschechischen Republik – die mangelnde Anerkennung der Verfolgung und Vernichtung von Sinti und Roma während des Nationalsozialismus ist, darüber spricht die Solidaritätsgruppe gegen Antiromaismus (Dresden). Auch Deutschland müsse endlich seine historische Verantwortung wahrnehmen. „Dass wir über die Verfolgung von Roma und Sinti vor und während, aber auch nach dem NS kaum etwas wissen, ist eng verbunden mit der Ignoranz, die Roma und Sinti auch heute noch entgegengebracht wird. Diese Ignoranz kann schnell in Hass umschlagen. Die historische Verantwortung für den Fall Lety liegt nicht allein bei Tschechien. Deutschland muss sich an den Kosten für eine Verlegung der Schweinemast beteiligen.“

Weiterhin fordert die Gruppe die deutsche Regierung auf, sich in der Asylpolitik stärker für Rom_nija aus ganz Europa einzusetzen: „Anstatt die Liste der ’sicheren Herkunftsländer‘ zu erweitern, sollte Deutschland für Roma ein sicheres Fluchtland sein“, so der Sprecher Jan Feldmann. „Die Geschichte der Verfolgung und Vernichtung von Roma und Sinti in ganz Europa reicht lang zurück und ist viel zu wenig im kollektivem Gedächtnis verankert. Der Hass gegen Roma ist ein europäisches Phänomen, welches nicht an der Grenze zu Deutschland halt macht“. Lety sei ein Symbol, welches die heutige Situation der Romnija und Roma in ganz Europa aufzeigt. „Unabhängig davon, von wem das Lager historisch zu verantworten ist, das kann so einfach nicht stehen bleiben.“

Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung:
Jan Feldmann
Pressesprecher der Soligruppe gegen Antiromaismus Dresden
0157 – 32930827
solidarity_not_charity@riseup.net
http://freelety.org/de/
https://www.facebook.com/konexeinenglish

Vortragstour im März 2015

Free Lety – würdiges Gedenken an den Porajmos statt Schweinemast!

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Vorträge der NGO Konexe zur aktuellen Situation von Rom*nja in der Tschechischen Republik

Rom*nja werden in Tschechien häufig attackiert und offen diskriminiert.
Unverhohlener Hass auf Romn*ja ist dort Alltag. Seit Jahren gibt es regelmäßig Proteste und Übergriffe durch organisierte Nazis.
Ein trauriger Höhepunkt war das Jahr 2013, in dem an fast jedem Wochenende und teilweise in mehreren Kommunen gleichzeitig Aufmärsche stattfanden. In Ceske Budejovice, Duchcov und Ostrava gingen jeweils mehr als 1.000 Neonazis auf die Straße und erhielten bei ihren gegen Roma gerichteten Mord- und Vernichtungsdrohungen Unterstützung von umstehenden Anwohner*innen. Nur die Polizei verhinderte Schlimmeres.

Die Rom*nja-Organisation Konexe aus Usti nad Labem (CZ) engagiert sich gegen rassistische Hassmärsche, kritisiert aber zugleich auch die diskriminierende Sozialpolitik der tschechischen Regierung. Einen wichtigen Meilenstein zu einer Gleichberechtigung von Rom*nja sieht Konexe in der Anerkennung der Verfolgung und der Ermordung von Rom*nja im Nationalsozialismus.
Bisher ist die Erinnerungspolitik wenig angemessen. Deutlich wird dies an der Situation in Lety (u Písku). Hier befand sich zuerst ein von den tschechischen Behörden eingerichtes Strafarbeitslager, von 1942-43 ein Konzentrationslager für Romn*ja. Etwa 400 Menschen wurden dort ermordet, mehr als zwei Drittel der Toten waren Kinder. Von dreißig im KZ Lety geborenen Säuglingen überlebte nur einer das Lager. Mehrere Hundert Gefangene wurden von Lety nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Statt nach der Befreiung das Gelände zu einem Ort des Gedenkens zu machen, errichtete die ČSSR dort 1973 eine Schweinemastanstalt. Diese ist bis heute in Betrieb. Romaverbände, EU und UNO fordern seit 20 Jahren von der tschechischen Regierung, den Betrieb zu kaufen, um in Lety ein würdiges Gedenken an die Opfer zu ermöglichen. Außer Versprechungen und symbolischen Aktionen geschah bisher jedoch wenig.

Was können wir angesichts der Hassmärsche und dem scheinbar mühevollen Kampf um ein würdiges Gedenken in Lety lernen, wenn Rom*nja in ganz Europa diskriminiert werden?

Eine Vortragstour mit Vertreter*innen von Konexe wird über die Situation von Rom*nja in Tschechien, die Geschichte des Lagers Lety und den Kampf um ein würdiges Gedenken und eine angemessene Aufarbeitung des Porajmos berichten.

Orte und Termine der Infotour:

Döbeln
Die, 17. März, 19.00 Uhr
Treibhaus e.V., Café Courage, Bahnhofstraße 56
in Zusammenarbeit mit Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen

Leipzig
Mi, 18. März, 19.00 Uhr
Lipinski-Forum, Rosa-Luxemburg-Straße 19/21
parallel in diesen Räumen: Ausstellung “Geschichte, Genozid und Gegenwart der Roma und Sinti in Böhmen und Mähren” (16.-27.03.2015)
Kooperation: Romano Sumnal und ecoleusti
in Zusammenarbeit mit Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen

Halle/Saale
Do, 19. März, 19.00 Uhr
Reilstrasse 78
Kooperation: Miteinander e.V.
in Zusammenarbeit mit Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen

Heidelberg
Fr, 20. März, 19.00 Uhr
Heidelberger Kunstverein, Hauptstraße 97

Frankfurt/Main
Sa, 21. März, 16.15 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend, Norbert-Wollheim-Platz 1, IG-Farben Haus, Raum 254
Kooperation: Förderverein Roma e.V., Aktion Sühnezeichen Friedensdienste Frankfurt/M. und das Fritz-Bauer-Institut

Dortmund
So, 22. März, 19.30 Uhr
Nordpøl, Münsterstr. 99

Düsseldorf
Die, 24. März, 19.00 Uhr
V6 , Vollmerswertherstr. 6
Kooperation: Ternodrom e.V.

Duisburg
Mi, 25. März, 19.00 Uhr
SJD – Die Falken Duisburg, Düsseldorfer Str. 399, Kleiner Saal

Hamburg
Do, 26. März, 19.00 Uhr
Rom und Cinti Union (RCU e.V.), Rellingerstrasse 23

Berlin
Fr, 27. März, 19.00 Uhr
Infoladen der Naturfreundejugend Berlin, Weichselstraße 14, Neukölln (barrierearm)
Kooperation: Amaro Foro e.V.

Die Vorträge werden in englischer Sprache gehalten. Wenn benötigt oder gewünscht, können wir eine deutsche (Flüster-)Übersetzung anbieten.

Die Vortragstour wird finanziell unterstützt vom Anne-Frank-Fonds Basel und dem Bildungswerk Weiterdenken − Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen.
Ergänzend sind wir aber auch auf Spenden angewiesen; alternativ kann auch via Überweisung an folgende Bankverbindung gespendet werden: kosmotique e.V. Dresden, Betreff „Free Lety“, IBAN: DE83430609671130360500, BIC: GENODEM1GLS, GLS Gemeinschaftsbank

Hier zum download: Plakat und Flyer zur Infotour als pdf.

Während der Veranstaltungen behalten wir uns als Veranstaltende vor, von unserem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die neonazistischen Parteien oder Organisationen angehören, der neonazistischen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Spendenaufruf der Soligruppe gegen Antiromaismus Dresden

Seit einem guten Jahr versuchen wir als Soligruppe von Antiromaismus betroffene Menschen zu unterstützen. Anlass für die Gründung waren die antiromaistischen Ausschreitungen in Tschechien, zu denen es nur 50km Luftlinie von Dresden entfernt seit einigen Jahren regelmäßig kommt. Für uns ist klar, dass Solidarität nicht an der Staatsgrenze aufhören kann. Und so versuchen wir seit dieser Zeit in enger Zusammenarbeit mit Menschen aus der Tschechischen Republik – Rom*nja wie Nicht-Rom*nja – dem wachsenden Antiromaismus etwas entgegenzusetzen.

Die Situation der Rom*nja in der Tschechischen Republik ist kritisch. Alle öffentlichen Meinungsumfragen zum Thema zeigen, dass die Mehrheit der Tschech*innen starke Vorurteile gegen Romn*ja hegt und eine deutliche Anti-Roma Einstellung vertritt, so dass Antiziganismus und Antiromaismus dominieren. Rom*nja werden auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt, im Schulsystem und in anderen Bereichen ihres Lebens diskriminiert. Dieser Status quo dauert seit dem Zusammenbruch des Sozialismus an und verschlimmert sich in Zeiten der ökonomischen Krise erheblich.

Die fehlende Erinnerung an den Porajmos, den nationalsozialistischen Genozid an Rom*nja und Sint_ezze, ist ein Teil des Problems. Auch in Tschechien wurde bereits vor der Besetzung durch Nazideutschland eine antiziganistische Diskriminierungspolitik betrieben. Unter deutscher Besatzung wurden eigene KZs für sogenannte “Zigeuner” eingerichtet. Wie in Deutschland wurde die rassistische Komponente dieser Kriminalisierungspolitik lange nicht anerkannt. Vielmehr wurden Entschädigungsansprüche der Betroffenen in der postnationalsozialistischen Gesellschaft abgelehnt mit der Begründung, dass es sich hierbei nicht um eine rassistisch motivierte Verfolgungspraxis, sondern lediglich um Kriminalitätsbekämpfung gehandelt habe.

In Lety u Písku, 80 Kilometer südlich von Prag, befand sich ein solches Konzentrationslager, in dem Romn*ja inhaftiert wurden. Es wurde 1939 von den tschechischen Behörden als sogenanntes Strafarbeitslager eingerichtet und wandelte sich unter der deutschen Besatzung zu einem Konzentrationslager, in dem ganze Familien unter katastrophalen Bedingungen interniert wurden. Der Tod von mindestens 400 Menschen wurde unter der Lagerleitung von Josef Janovský, einem fanatischen Antiziganisten, gezielt herbeigeführt. Wieviele dort tatsächlich starben, kann nur eine archäologische Untersuchung klären. Die Überlebenden wurden nach dem sogenannten Auschwitz-Erlass Ende 1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Im Jahr 1973 wurde in der ČSSR eine industrielle Schweinemastanstalt auf dem Gelände des einstigen Lagers in Lety errichtet. Diese Farm existiert bis heute und ist nach wie vor in Betrieb. Die ČSSR hat 1975 die Schlussakte von Helsinki unterzeichnet, in der vereinbart wurde, die Gelände des Holocaust zu Orten des Gedenkens und der Ehrfurcht zu machen. Trotzdem suhlen sich bis heute Schweine direkt an dem Ort, an dem Romnja und Roma ermordet und gefoltert wurden.

Durch den Zusammenbruch des Sozialismus 1989 ergaben sich ideale Bedingungen für die Schließung der staatseigenen Schweinemastanstalt in Lety. Sie wurde aber nicht geschlossen, sondern privatisiert. Erst als 1994 zufällig Originaldokumente aus dem Lager auftauchten und veröffentlicht wurden, setzte eine Debatte um die historische Bedeutung des Ortes ein. Seitdem werden die wechselnden tschechischen Regierungen von verschiedenen Romaverbänden, EU und UNO unter Druck gesetzt, die Farm zu kaufen, sie zu schließen, sie von Schweinemist zu reinigen und ein würdevolles Denkmal für die Opfer auf dem Gelände zu errichten. Außer Versprechungen und symbolischen Aktionen geschah jedoch nichts – es wurde lediglich neben der stinkenden Schweinemastanstalt ein Denkmal errichtet. Teilweise wird von tschechischen Politiker*innen und Historiker*innen sogar bestritten, dass es sich bei Lety um ein “richtiges KZ” handelte, um u.a. die Verantwortung über das Fortbestehen der Schweinefarm von sich zu weisen.

Die Roma-Initiative Konexe aus Usti nad Labem hat im Frühjahr 2014 eine neue Kampagne mit dem Ziel initiiert, dass die Schweinemastanlage geschlossen und auf dem Gelände eine würdige Gedenkstätte errichtet wird. Im März 2015 wollen wir gemeinsam mit Konexe eine größere Infotour durch Deutschland machen, auf der über Lety, den Porajmos und den Umgang mit diesem Thema in der tschechischen Gesellschaft informiert wird. Ziel ist es, auch von Deutschland aus den Druck zu erhöhen.

Die Infotour, die monatlichen Kundgebungen und Blockaden in Lety, sowie die Demonstation in Berlin wird im nächsten halben Jahr den Hauptteil unserer Arbeit ausmachen. Um sie jedoch zu ermöglichen und auch den tschechischen Aktivist*innen die Tour durch Deutschland zu finanzieren, brauchen wir Geld. Jeder Euro hilft uns dabei, dieses Ziel umzusetzen.

Spenden bitte auf folgendes Konto:
kosmotique e.V.
GLS Gemeinschaftsbank e.G.
BIC: GENODEM1GLS
IBAN: DE83430609671130360500
Betreff: Lety

Oder unterstützt uns im Rahmen unserer Crowdfundingkampagne.

Auch Kleiderspenden für den kommenden Winter können weiterhin gerne in der kosmotique abgegeben werden.

kosmotique e.V.
Martin-Luther-Str. 13
01099 Dresden
geöffnet jeden Mittwoch ab 20 Uhr

solidarity_not_charity [at] riseup.net

Antifascist HipHop Solidarity Jam

In den letzten Monaten nahm die gewaltvolle Stimmung gegen Rom_nja in der Tschechischen Republik beängstigende Ausmaße an. Sogenannte Hassmärsche in Duchcov bei Teplice, in Varnsdorf, Ceské Budejovice und vor allem in Ostrava zeigen, wie angespannt die Situation ist. Im Oktober 2013 wurde in der Tschechischen Republik ein neues Parla- ment gewählt. Die Zeit des Wahlkampfes nutzten vor allem die neonazistische Partei DSSS und andere Nazis, um den ohnehin gesellschaftlich verbreiteten Antiroma- ismus mit rassistischen Aktionen vor Rom_nja-Wohnquartieren offen zu propagieren. Nicht selten kam es dabei zu Übergriffen auch aus der Mehrheitsgesellschaft. Rom_nja werden nicht nur in der Tschechischen Republik offen angegriffen und strukturell dis- kriminiert. In vielen Ländern Europas müssen sie zu Niedrigstlöhnen arbeiten, werden vom Schulbetrieb und vom Wohnungsmarkt ausgeschlossen und körperlich attackiert. Gegen diese offene und strukturelle Diskriminierung organisieren sich Rom_nja-Aktivist_innen und Unterstützer_innen.

Zu Gast ist Miroslav Brož (Usti) von der tschechischen NGO Konexe, der ihre Antidiskriminierungsarbeit in der Tschechischen Republik vorstellt. Im Anschluss findet ein HipHop-Jam statt.

08.Februar 2014
19h Vortrag
21.30h Konzert
Fakné (Feminist Hip Hop/Prag; CZ)
de la negra (Antifascist Hip Hop/Krupka; CZ)

Dj* Shannon Soundquist (female and feminist mc-ing//hip hop, indie hip hop, queer rap, zeckenrap, grime, bass music, acid ragga, carioca bass, electro-hop)