Kategorie: Allgemein

Aufruf: Unterstützung von Romnja aus der Ukraine

Wir haben am Aufruf des Bundesromaverband e.V. mitgearbeitet und bitten Sie/ Euch um Unterstützung des Aufrufs. Wenn Sie/ Ihr als Organisation oder Einzelperson unterschreiben möchten, bitte senden Sie eine Email an email hidden; JavaScript is required

Bewegungsfreiheit und Schutz für Roma aus der Ukraine!

Nicht alle Roma verlassen die Ukraine und nicht alle werden Opfer diskriminierender Behandlungen. Doch die Berichte über Diskriminierung von Romnja* an den Grenzen nehmen zu. Sie werden nicht in Autos mitgenommen, Busunternehmen weisen sie ab. In den Ankunftsorten werden sie aus unerfindlichen Gründen von den “weißen” Ukrainer:innen separiert. Auch in den Ankunftsorten in Deutschland gibt es Schwierigkeiten.

Es braucht große Räume

Überwiegend Frauen und Kinder sind auf der Flucht, mit Jugendlichen und manchmal pflegebedürftigen Angehörigen. Sie mussten sich von ihren Männern im “wehrfähigen Alter” trennen und wollen sich nicht weiter aufteilen. Neben den Kriegstraumata, die sie erlitten, berichten sie von massiven Diskriminierungen und Beleidigungen entlang der Fluchtrouten Richtung Westen.

Ukrainische Roma sind Nachkommen von Überlebenden und Opfern der Verfolgung und Vernichtung während des Nationalsozialismus. Wir möchten, dass gerade Deutschland jetzt Mittel bereitstellt und Schutz bietet.

Viele Romnja sprechen Romanes, Ukrainisch oder Russisch, jedoch nicht die Sprachen der Länder, in die sie fliehen. Manche können nicht lesen, und wenn, dann beherrschen sie nur kyrillische Schriftzeichen. Die ganze Situation ist extrem verunsichernd und bedrohlich. Angehörige einer Familie und Freund:innen, die sich gegenseitig unterstützen, wollen sich in dieser Situation nicht trennen und gern zusammen bleiben, auch zusammen unterkommen. Deshalb braucht es großzügige Unterbringungsmöglichkeiten, wo Menschen gemeinsam untergebracht werden können.

Rassismus trifft Roma auch jetzt

Zur leider auch schon vor dem Krieg existierenden strukturellen Diskriminierung gehört, dass viele Roma in der Ukraine undokumentiert sind und keine Pässe haben. Von den schätzungsweise 400.000 in der Ukraine lebenden Roma haben ca. 20 Prozent, also mehrere zehntausend Menschen, keine Papiere. Andere haben ihre Dokumente im Zuge der Flucht verloren. Für all diese Menschen ist es deutlich schwieriger, die Grenzen zu passieren und sich vor dem Krieg in Sicherheit zu bringen.

Diese besonders vulnerable Gruppe ist bisher überhaupt nicht in die Personengruppen einbezogen, die in der aktuellen Situation in den Ländern der Europäischen Union offiziell Schutz erhalten können.

Kämpfen dürfen oder müssen sie auch ohne Papiere, fliehen aber ist ein Problem. Es gibt Berichte, dass der ukrainische Grenzschutz papierlose Roma nicht über die EU-Grenzen lässt. Deshalb müssen sie über die Grenze in die Moldawische Republik. Dort werden die weißen ukrainischen Flüchtenden von den geflüchteten Roma getrennt untergebracht. Der Menschenrechtsaktivist des European Roma Rights Centres (ERRC) Jonathan Lee bezeichnet diese Praxis als Segregation und kritisiert auch die sehr desolaten Unterbringungen vor Ort.

In diesen speziell segregierten Zentren wurden keine Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft aus der Ukraine angetroffen. Das ERRC verschaffte sich vor Ort einen Überblick und stellte fest, dass die Behörden in Moldawien Hunderte von geflüchteten Romnja aus der Ukraine mit Bussen an die rumänische Grenze bringen. Die Romnja werden nicht darüber informiert, wie das Einwanderungsverfahren abläuft und werden an der Grenze häufig zurückgewiesen, weil sie nicht über die richtigen oder keine Dokumente verfügen.

Gleiche Rechte und Möglichkeiten für alle Geflüchteten!

Laut des Nachrichtensenders Al Jazeera werden die Behörden in Moldawien unter Druck gesetzt, einen Umverteilungsplan für flüchtende Roma auszuarbeiten, der ihnen keine Dokumente abverlangt. Von wem sie unter Druck gesetzt werden, berichtet der Sender nicht. Der moldawische Abgeordnete Dorian Istratii, koordiniert die Arbeit im Flüchtlingszentrum Manej. Er sagt, dass die moldawische Regierung daran arbeite, die rumänische Regierung dazu zu bewegen, flüchtende Roma ohne Papiere aus der Ukraine aufzunehmen, damit sie dort Asyl bekämen. Nach EU Recht würde dies allerdings bedeuten, dass sie dort dann bleiben müssten. Dies wäre eine klare Schlechterstellung von Papierlosen, da sich alle anderen Ukrainer:innen derzeit ihren Aufenthaltsort in Europa aussuchen können.

Dauerhaftes Bleiberecht auch nach dem Krieg

Aus den Jugoslawienkriegen wissen wir, dass viele der damals geflohenen Roma bis heute auch 30 Jahre danach in Deutschland (oder auch anderen Staaten) nur geduldet sind und heute abgeschoben werden. Eine Wiederholung dieser Geschichte gilt es unbedingt zu vermeiden. Der derzeitige Umgang mit den papierlosen Romnja aus der Ukraine lässt dies jedoch befürchten.

Aus Erfahrung wissen wir, dass es 1999 ethnische Säuberungen gegen Roma im Kosovo nach den NATO-Einsätzen gab. Durch Krieg und Vertreibung haben die Menschen ihr Eigentum verloren. Nach Ende des Krieges konnten sie nicht in ihr altes Leben zurück. Es gibt bereits jetzt eine große Zahl von Roma in der Diaspora in Europa, die nie mehr zurück können.

Die Bewaffnung der ukrainischen Streitkräfte, aber auch paramilitärischer Kämpfer:innen und natürlich auch Neonazis wird sich in den nächsten Jahren, auch wenn der Krieg vorbei ist, nicht so schnell wieder rückgängig machen lassen. Es ist zu befürchten, dass Angehörige von Minderheiten wie Roma in einer extrem bewaffneten Gesellschaft schutzlos werden. Die Ausschreitungen gegen Roma in 2018 etwa lassen Schlimmstes befürchten.

Auch für andere Personen, die Minderheiten angehören, ist die Situation potentiell gefährlich. Wir fürchten um diese Leute. Für uns bedeutet das, dass wir bereits jetzt dafür eintreten von Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Homophobie Betroffenen dauerhaft sichere Bleiberechte zu gewähren.

Wir brauchen:

  • Ein Aufnahmeprogramm für Romnja und Roma ohne Dokumente in westeuropäischen Staaten (sowie Transportmöglichkeiten von den ukrainischen Grenzen sowie Schutzräume auf den Fluchtrouten). Roma müssen sich den Zielort der Flucht genauso aussuchen können, wie alle anderen Ukrainer:innen auch.

  • Dazu gehört die Berücksichtigung von Romnja und Roma – insbesondere auch ohne Dokumente – aus der Ukraine bei der bereits von der deutschen Außenministerin Baerbock verkündeten Direktaufnahme von Geflüchteten aus Moldau.

  • Den sofortigen Stopp aller Abschiebungen in die Nachbarländer der Ukraine (Belarus, Polen, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Moldawien, Russland).

  • Bereitstellung von Orten, an denen Gruppen von 10 – 20 Personen zusammen untergebracht werden können. Geeignete leerstehende staatliche Gebäude, Hotels, Jugendherbergen oder ähnliches sollten dafür freigemacht werden.

  • Wir brauchen dringend Mittel, um Unterstützungsstrukturen aufzubauen – zum Beispiel (psychologische) Telefon-Beratung (russisch / ukrainisch / romanessprachig). Beratung über Möglichkeiten der Registrierung und die Anmeldung Papierloser, Unterstützung bei erlebter Diskriminierung, Vernetzungsangebote, diskriminierungs- und sprachsensible Beratung für geflüchtete Roma, Koordination von Unterkunftsangeboten und Suche.

* * *

* In diesem Text schreiben wir überwiegend „Romnja“, weil sich überwiegend Frauen auf der Flucht befinden.

Initiiert von 

Bundes Roma Verband e.V. • Roma Center e.V./ Roma Antidiscrimination Network • Romani Phen e.V. • Romani Kafava Wilhelmsburg e.V. • Gruppe gegen Antiromaismus • Wakti Romano e.V. 

Unterzeichnende Organisationen 
Amadeu Antonio Stiftung • Anlaufstelle / Netzwerk Pro Sinti & Roma • Arbeitskreis Asyl Cuxhaven e. V. • ARRiVATi - Community Care • BLACK COMMUNITY Hamburg • BLACK COMMUNITY Coalition For Justice & Self-DEfence • Bezirksverband Neukölln der Partei DIE LINKE • Bildung in Widerspruch e.V. • Bündnis der Roma Organisationen - B.R.O. • Internationaler Kultur und Sport Verein der Roma Carmen e.V. • Amaro Foro e.V. • Bildungswerk für Friedensarbeit e.V. Berlin • die kommunistische songgruppe die anticapitalistas • Flüchtlingsrat Brandenburg • Flüchtlingsrat Bremen • Flüchtlingsrat Thüringen e.V. • Forschungsgesellschaft Flucht & Migration e.V. • Förderverein Roma e.V. • Institut für Berufsbildung und Sozialmanagement (IBS) gemeinnützige GmbH • KLIK e.V., Berlin, Wohnungslosen- & Jugendhilfe • Mülheimer Flüchtlingsrat e.V. • Philharmonischer Verein der Sinti und Roma Frankfurt am Main e.V. • Poliklinik Hamburg Veddel • Queer Roma • Romano kongreso Odesako chakreste (Odessa regionaler Roma-Kongress) • RomaRespekt • save space e.V. • Seebrücke Niedersachsen • Seebrücke Lüneburg • 1. Sinti-Verein Ostfriesland e.V. • Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas • Stiftung Zusammen_Wachsen • U.R.Y.D. Union des Roms de l’Ex Yougoslavie en Diaspora / Association Fleuve Ibar  • Verein Zuflucht - Ökumenische Ausländerarbeit e.V. • VVN/BdA kreisvereinigung oldenburg/friesland • VVN-BdA Friedrichshain-Kreuzberg • Wir packen's an e.V. - Nothilfe für Geflüchtete • Virtuelles Denkmal "Gerechte der Pflege"

und Einzelpersonen
Asylpfarramt der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Pfarrer Joachim Schlecht • marita blessing, dipl.-psychologin • Gerd Büntzly • Ann Margreth Date G29 Amnesty/Malmo • Esther Heling-Hitzemann, Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Göttingen (GCJZ Göttingen e.V.)  • Friedrich Wilhelm Höper • Susanna Kahlefeld, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen • Dr. Anne Kossatz, Pastorale Mitarbeiterin Pfarrei St. Marien, Bad Homburg, Friedrichsdorf • Gabriele Lang, Riedlingen • John O • Niko Rergo, Vorsitzender Romano kongreso Odesako chakreste (Odessa regionaler Roma-Kongress) • Dr. Linda Supik, Soziologin, Goethe Universität, Frankfurt am Main • Okan Uludasdemir • Esma Veselovski from a Romani women group Romane domacice • Eva Weber

 

 

Gemeinsam gut Leben in Plauen: Einladung zum Fachworkshop am 24.03.2022 in Plauen (Vogtland)

Gemeinsam mit dem Bündnis gegen Rassismus in Sachsen möchten wir Euch und Sie am 24.03.2022 nach Plauen (Vogtland) einladen. Das Ansinnen ist der Austausch über die aktuelle Situation und das Zusammenleben in der Stadt mit EU-Bürger:innen aus der Slowakei, nachdem vor vier Jahren zwei Häuser gebrannt hatten.

Aus der Einladung des Bündnisses gegen Rassismus:

“Vorurteile und Unwissen über die Lebenswelten von Roma sind weit
verbreitet. Dies führt zu Unsicherheiten und Irritationen – auf beiden
Seiten. Gemeinsam gut Leben in Plauen – das wollen alle!

Ein Zusammenschluss von lokalen und überregionalen Kooperationspartnern lädt Sie zu einem Fachworkshop zum Thema
Rassismus gegen Sinti und Roma am 24.03.2022 von 10.00-17.00 Uhr
in Plauen ein.
Der Workshop richtet sich an Menschen aus der Verwaltung, der
Ausländerbehörde, dem Jobcenter, an Lehrerinnen und Sozialarbeiter,
Presse und Engagierte aus der Region.”

Der workshop wird in den Räumen des colorido e.V. stattfinden.

Anmeldung bitte bis 17.03.2022 an: www.riesa-efau/politischebildung.de; Nachfragen gerne an
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Einladung Fachworkshop Bilder dekonstruieren 24.03. in Plauen

 

Das Mahnmal bleibt! By any means necessary

Wir dokumentieren die Pressemitteilung des Bundesromaverbandes, die auch wir natürlich mitgezeichnet haben:

Das zentrale »Mahnmal der im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas« ist durch Pläne der Deutschen Bahn bedroht. Eine Strecke der Berliner S-Bahn soll unter dem Mahnmal durchführen. Der Gedenkort soll (teilweise) entfernt und über viele Jahre gar nicht mehr zugänglich sein. Über 60 Jahre mussten Roma und Sinti um dieses Mahnmal und die mit ihm verbundene Anerkennung ihres Leids kämpfen.

Es gibt zur Zeit Gespräche über alternative Bahnstrecken – aber es steht nicht fest, wie diese Gespräche ausgehen werden. Daher finden wir es wichtig, darum zu kämpfen, dass das Mahnmal in der bestehenden Form bleibt und in keiner Weise angetastet wird. Die deutsche Bahn muss ihre Pläne ändern. Nichts von dem Areal rund ums Mahnmal darf angetastet werden. Es gibt immer weniger Zeitzeug:innen. Darum ist es umso wichtiger, dass das Mahnmal sicher bestehen bleibt, nicht jetzt und auch nicht in Zukunft angetastet wird.

Alle heute lebenden Roma und Sinti sind Nachkommen der Verfolgten, Kinder und Enkel der Überlebenden. Viele unserer Menschen haben kein Grab. Sie wurden in Todeslagern vergast, in Wäldern erschossen, in Massengräbern verscharrt. Unser Denkmal in Berlin ist der Ort, an dem wir um die Toten ohne Gräber trauern.

Es ist aber nicht nur ein Ort der Trauer für die Hinterbliebenen. Es ist auch ein Ort der Mahnung. Ein Ort des Nie wieder. Somit erfüllt das Mahnmal eine wichtige Funktion für die Mehrheit. Wir können den Völkermord an unseren Menschen nicht vergessen. Die Mehrheitsbevölkerung kann das durchaus, sofern sie überhaupt vom Völkermord an Roma und Sinti weiß. Das Mahnmal ist ein Ort, an dem die Mehrheit aus der Geschichte lernen kann. Darum ist auch die Mehrheit in der Verantwortung, für den Ort zu kämpfen.

Die Reichsbahn hat Zwangsarbeiter:innen nach Deutschland verschleppt, ohne die Wirtschaft und Krieg nicht aufrecht erhalten worden wären. Sie hat Millionen damit verdient, Menschen in die Arbeits- und Todeslager zu transportieren. Dass es jetzt gerade ihre Nachfolgerin ist, die Deutsche Bahn, die unser Denkmal zerstören wird, ist eine unerträgliche Respektlosigkeit gegenüber den wenigen Überlebenden, die noch da sind, und allen unseren Menschen.

Die Verfolgung von Roma ist nicht nur Teil der Geschichte. Sie ist auch Teil der Gegenwart. Rassismus, Diskriminierung und Gewalt sind Teil unseres Alltags. In Deutschland, in Europa, in der Welt.

Die Abwehr, die sich gegen uns richtet, sowohl in der Migrationsabwehr als auch in historisch gewachsenen strukturell rassistischen Vorgängen – sie wirkt schlimmer je weniger Unterstützung und Wahrnehmung wir haben. Daher empfinden wir schon die Diskussionen um das Mahnmal als Angriff.

Wir sprechen uns seit Jahren gegen ein leeres Erinnern und ein kaltes Vergessen aus. Um die Unterbrechung der fortgesetzten Geschichte müssen wir weiter ringen.

Wir haben bereits mit weiteren Roma-Selbstorganisationen gemeinsam eine Demo in Berlin organisiert unter dem Motto: Schützt das Mahnmal für die Sinti und Roma Europas. Wir organisieren weiter Proteste, Kundgebungen, Demonstrationen, Gedenkveranstaltungen, bis das Mahnmal sicher ist.

Dani Karavan, der Künstler, der das Mahnmal gestaltete, hat angekündigt, dieses notfalls mit seinem Körper zu schützen. Er ist heute 89 Jahre alt. Wir nehmen das als Auftrag und wir rufen euch: Aus Respekt für die bis zu 1,5 Millionen ermordeten Roma und Sinti Europas! Zeigt eure Solidarität, beteiligt euch und kämpft mit uns ums Mahnmal – egal wo, egal wie – by any means necessary!.

Connecting throughout the World – Roma in der Corona-Krise 4

Connecting throughout the World. Roma in der Corona-Krise. Diesmal: Bosnien und Herzegowina

Connecting throughout the World ist eine Serie von Online-Konferenzen. In jeder Folge sprechen wir mit Menschen in verschiedenen Ländern über die allgemeine Situation von Roma und wie sie sich durch die Covid19- Pandemie verändert hat.

In der vierten Folge reden wir mit Denis Mujic von dem Romnja-Verband Bessere Zukunft (Udruženje žena Romkinja Bolja Budućnost) über die Situation von Roma in Bosnien-Herzegowina und in Tuzla. Wir sprechen über Frauenrechte, Bildung, die Einschränkungen in der Corona-Krise und Rassismus.

Schaltet ein!

Wann: 16. Juli 2020 um 20 Uhr
Wo: auf unserem Youtube-Channel und bei Facebook

Tresen am 20.11.: Es brennt in Plauen

Die Brandanschläge auf Rom*nja in Plauen/Vogtland zum  Jahreswechsel 2017/2018 sind schon vergessen. Die beiden Brände und ihre symptomatisch sächsische Bearbeitung hinterlassen ein Gefühl der Ohnmacht. Niemandkann die Sachlage zusammenfassen. Eine abschließende Beurteilung ist aufgrund mangelnder Ermittlung der Polizei und Justiz leider nicht möglich. Die Nichtaufklärung zeugt von einer Gleichgültigkeit angesichts eines der schwersten Gewaltverbrechen gegenüber Rom*nja der letzten Jahre in dieser Region.

An diesem Abend versuchen wir die Hergänge zu rekonstruieren, so dass die Gewalt und Nichtaufklärung im Kontext des Verbrechens sichtbar gemacht werden.

Wann?
Mittwoch, 20.11.2019: 20 Uhr

Wo?
kosmotique, Martin-Luther-Str. 13

Einige Infos vorab findet Ihr hier: http://www.weiterdenken.de/de/2019/07/16/dossier-zu-den-brandanschlaegen-20172018-plauen

In Kooperation mit dem Projekt RomaRespekt des Weiterdenken e.V.

Verfolgt – Verstoßen – Vernichtet. Verbrechen im Namen der Medizin im 20. Jahrhundert

Seit der Antike wurden, insbesondere von Vordenker*innen der Medizin, Utopien entwickelt, welche die Verbesserung sowohl der körperlichen als auch der geistigen Verfassung künftiger Generationen und Gesellschaften versprachen. Entgegen den allgemeinen Verlautbarungen dieser Ideen, sie hätten dabei stets das Wohl der Gemeinschaft insgesamt im Sinne, verfolgten sie meist ein anderes Ziel: Vielmehr ging es um Elitenbildung und den Ausschluss derjenigen, die man für degeneriert und damit für nicht teilnahmewürdig an der jeweils entwickelten Utopie hielt. Mit der Festigung biologistischer Ideologien in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhielten derlei Ideen eine vermeintlich naturwissenschaftlich gesicherte Grundlage – allen voran mit der Eugenik, wonach Menschen in fortpflanzungswürdig und -unwürdig bzw. in radikalerer Form in lebenswert und lebensunwert eingeteilt wurden.

Im nationalsozialistischen Deutschland und in den von NS-Deutschland besetzten Gebieten führte eine solche Ideologie zur systematischen Ermordung von rund 300 000 Menschen mit Behinderung und psychisch kranken Menschen. Nach aktuellem Kenntnisstand wurden außerdem mindestens 400 000 Menschen zwangssterilisiert. Doch auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges war die Ideologie der Eugenik in verschiedenen Staaten weiterhin ein Teil biopolitischer Maßnahmen. In der Tschechischen Republik wurden noch im Jahr 2007 Fälle von Zwangssterilisationen an Romnja bekannt. Auch die deutsche Geschichte ist bis heute von weiterer Diskriminierung, Ausgrenzung und Verfolgung tatsächlich oder vermeintlich psychisch kranker Menschen und von Menschen mit Behinderung geprägt.

Durch das Erstarken völkischer Gruppierungen und Parteien wie der AfD ist ganz aktuell eine zunehmende Gesellschaftsfähigkeit von solchen menschenfeindlichen Ideologien und damit einhergehend eine Renaissance biologistischer Weltanschauungsmuster zu beobachten.

Wir, das Gesundheitskollektiv Dresden und die Gruppe gegen Antiromaismus, möchten deswegen über verschiedene Verbrechenskomplexe, die im Namen der Medizin im 20. Jahrhundert begangen wurden, aufklären und die ursächlichen Mechanismen dieser Taten betrachten.

Wir laden Euch zu folgenden Veranstaltungen ein:

01.11.2019: Zwangssterilisationen und “Euthanasie”-Verbrechen im Nationalsozialismus – Vortrag von Stefan Jehne 19:00 Uhr, Hole of Fame

06.11.2019:Informed Consent is now a part of the vocabulary at the hospitals” – Aktivismus gegen Zwangssterilisationen in der Tschechischen Republik – Vortrag von Elena Gorolová und Gwendolyn Albert (CZ) 19:00 Uhr, Hörsaal Orthopädie, Haus 29, Uniklinikum Dresden

22.11.2019: Die Diagnose “asozial”. Verbrechen der Sozial- und Jugendfürsorge – Vortrag von Oliver Gaida 19:00 Uhr, Hörsaal Zeuner Bau, Raum 114, TU Dresden

04.12.2019: „…dass das heute noch immer so ist – Kontinuitäten der Ausgrenzung“ – Filmvorführung 20:30 Uhr, objekt klein a

Lesung und Gespräch am 30. Oktober: Zuhause bedeutet für mich eigentlich, ein Zuhause zu haben, ganz einfach

Erfahrungen von Obdachlosigkeit und Migration in Dresden

Lesung, Lyrik und Gespräch in Anwesenheit der Portraitierten Brigitta, Milan, Blanka, Alexandr und Renata Horvathova

Der Band “Zuhause bedeutet für mich eigentlich, ein Zuhause zu haben, ganz einfach” veröffentlicht Erfahrungen von Obdachlosigkeit und Migration. Vier obdachlose Menschen geben Einblicke in ihr Leben auf der Straße, sie sprechen über den Beruf ohne Anerkennung: das Schnorren und Betteln.

In der Publikation werden Lebensgeschichten von wohnungs- beziehungsweise obdachlosen Rom*nja dargestellt, die ihren Alltag überwiegend im öffentlichen Raum organisieren. Entstanden sind sehr private und offene Erzählungen, die von der Kraft des Durchhaltens zeugen. Sie sprechen über die Unmöglichkeit des Lebens im Herkunftsland, über das Überwinden der vielen Kilometer in Europa und über ein Leben ohne Sicherheit. Keine Minderheit muss so intensiv um das Überleben in Europa kämpfen. Es ist der Kampf um Wohnraum, Auskommen und Schutz.

Diese Erzählungen sind Geschichten der Gegenwart von Menschen, deren Zeugnisse rar sind. Ihre vielfältigen Armutsfolgen und Risiken werden sichtbar, wenn Betroffene ihre Erzählungen und ihre Geschichten preisgeben.

Gelesen wird auch die Lyrik von Alexandre Romanès, Wilfried Ihrig und Santino Spinelli, die im Band veröffentlicht ist.

Mittwoch, 30. Oktober 2019, 19 Uhr
ZfBK im Kulturpalast
Schloßstraße 2, 01067 Dresden
Eintritt frei

 

Im Rahmen von GZA HEM DIK// Geh und Sieh 
Film- und Veranstaltungsprogramm zu Vergangenheit und Gegenwart von Roma und Sinti

Eine Kooperation zwischen RomaRespekt bei Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen, Romano Sumnal und demZentrum für Baukultur Sachsen, ZfBK im Kulturpalast Dresden.

Gefördert im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Die Broschüre:

Zuhause bedeutet für mich eigentlich, ein Zuhause zu haben, ganz einfach.
Erfahrungen von Obdachlosigkeit und Migration

RomaRespekt und Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen (Hg.)
Dresden, 2019
ISBN: 978-3-946541-33-2

Link zum pdf der Broschüre:http://www.weiterdenken.de/de/2019/08/12/zuhause-bedeutet-fuer-mich-eigentlich-ein-zuhause-zu-haben-ganz-einfach-erfahrungen-von

Roma in Europa: Immer noch Unerwünscht

Am Freitag, den 24. Mai. sind wir zu Gast beim 4. Europäischen Bürgerbühnenfestival Our Stage im kleinen Haus. Als Rahmenprogramm für das von ungarischen Romnija entwickelte Stück Long Live Regina! geben wir ab 20.30 eine kurze Einführung in die Geschichte und Sinnstruktur des Antiromaismus.
Die anschließende Vorstellung über Zwangssterilisation von Romnja in Ungarn ist leider schon ausverkauft, aber für Samstag gibt es noch Karten.
Außerdem steigt Freitag ab 22 Uhr noch eine Party mit freiem Eintritt und Live-Musik des serbischen Rom Dejan Jovanović.

Wir freuen uns auf einen spannenden Abend!

Am 8. April im Dresdner Rathaus: Roma in Europa – Eine Geschichte von Ausgrenzung und Vertreibung

Eine Veranstaltung im Rahmen der internationalen Wochen gegen Rassismus am Welt-Roma Tag. In Kooperation der Integrations- und Ausländerbeauftragten der Stadt Dresden mit der Gruppe Gegen Antiromaismus.

Über 70 Jahre nach Ende des Genozids an den europäischen Roma und Sinti durch Nazideutschland bleiben diese von umfassender Diskriminierung betroffen. Romnja und Roma haben mit Ausgrenzung und Stereotypen zu kämpfen. Fliehen sie aus anderen Ländern nach Deutschland wird ihnen hier ein Bleiberecht verweigert. Selbst nach Jahrzehnten in ihrer neuen Heimat werden sie gewaltsam in die Länder zurückgeschoben, in die sie nach deutschem Recht gehören.
Genau so erging es Sami Bekir und seiner Familie. In dem Vortrag gehen Sami und die Gruppe Gegen Antiromaismus der jahrhundertealten Verfolgungsgeschichte der Roma auf den Grund und berichten von ihren praktischen Auswirkungen heutzutage: Von Abschiebung, Familientrennung, Untertauchen, Unterstützung, juristischen Auseinandersetzungen und Erfolgen. Von der Verweigerung der Behörden, hier ein normales Leben führen zu können und dem Kampf um diese Normalität.
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Tresen am 19.12.: Reisebericht zu Abschiebungen nach Ex-Jugoslawien

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Am Mittwoch, den 19.12. berichten wir über unsere Recherchereise nach Serbien und dem Kosovo. Im November 2018 besuchte die Gruppe gegen Antiromaismus gemeinsam mit Mitgliedern des Sächsischer Flüchtlingsrat e.V., des Flüchtlingsrat Bremen und der Journalistin Allegra Schneider unter anderem die Familie Rama in Pristina, die aus Dresden mitten in der Nacht abgeschoben worden ist, der damals 10-jährige Junge in Handschellen.
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