Die Stadt Dresden will das Betteln einschränken. Zurzeit stehen Verbote von Betteln mit und durch Kinder zur Abstimmung, nachdem bereits Straßenmusiker*innen mit absurden Überregulierungen gegängelt werden. Dafür soll im September eine neue Polizeiverordnung im Stadtrat diskutiert werden. Das Kindeswohl wird vorgeschoben, um zu verschleiern worum es eigentlich geht: Kriminalisierung von Armen, Law&Order-Vorstellungen von den öffentlichen Räumen in der Stadt und autoritäre Fantasien davon, die Stadt „rein“ zu halten vom Anblick der Armut. Sittel, der Ordnungsbürgermeister, antwortete auf den Einwand, dass Kinder damit in illegale Tätigkeiten wie Diebstahl oder Prostitution getrieben würden, er sehe die Gefahr nicht: „vermutlich werden unsere Kontrollen eher eine örtliche Verdrängung in andere Städte zur Folge haben“. Das ist Stadtkosmetik im CDU-Style: Aus den Augen aus dem Sinn.

Gegen diesen Diskurs und gegen die neue Polizeiverordnung hat sich die Bettellobby Dresden zusammengefunden und möchte mit folgendem Veranstaltungsprogramm in die Betteldebatte intervenieren:

Wer bettelt da? Und warum?
Fachgespräch anlässlich einer lokalen Betteldebatte in Dresden
Angebot für Journalist_innen, Sozialarbeiter_innen, Lokalpolitiker_innen und Medienschaffende

mit Markus End (Politologe und Vorsitzender der Gesellschaft für Antiziganismusforschung) und Gjulner Sejdi (Vorsitzender von Romano Sumnal – Verein für Roma in Sachsen und Mitarbeiter RomaRespekt)

Mittwoch, 6. September 2017, 14:00 – 18:30 Uhr
Stadtteilhaus Dresden-Äußere Neustadt e.V., Prießnitzstraße 18, 01099 Dresden

Die Teilnahme ist kostenfrei mit vorheriger Anmeldung unter info@weiterdenken.de möglich. Betreff: Anmeldung Fachgespräch „Wer bettelt da? Und warum?“

Anmeldeschluss: 3. September 2017
Maximale Anzahl der Teilnehmenden: 25

Natasha
Film und Diskussion mit der Filmemacherin Ulli Gladik, Bettellobby Wien
(84 Min, Digi Beta, Bulgarisch mit deutschen oder englischen Untertiteln)

Mittwoch, 20. September 2017, 20 Uhr
kosmotique, Martin-Luther-Str. 13, Dresden

Natasha lebt in einer kleinen Stadt in der Nähe von Sofia/Bulgarien. Um ihre Familie zu ernähren, fährt sie seit drei Jahren mehrmals jährlich nach Österreich um zu betteln. Ulli Gladik, Kamerafrau und Regisseurin in Personalunion, begleitete Natasha und ihre Familie im Zeitraum von fast zwei Jahren. Der Film zeigt Natashas Alltag als Bettlerin in Österreich und die Lebensumstände in ihrer Heimat.

Ulli Gladik ist eine sehr erfahrene Filmemacherin und Aktivistin, engagiert sich in der Bettellobby Wien und kennt die Debatten aus ihrer Heimatstadt. Wir erhoffen uns über den Film ins Gespräch zu kommen und die Diskussion in Dresden um die Perspektive der Betroffenen zu erweitern.

Nicht Arme bekämpfen sondern Armut
Film und Diskussion mit der Filmemacherin Ulli Gladik, Bettellobby Wien

Donnerstag, 21. September 2017, 18 Uhr
Dr.-Külz-Ring/Wallstraße, Nähe Maredo am Treff der Treberhilfe Dresden

In Dresden wird über ein so genanntes Bettel-Verbot, gegebenenfalls nur für Kinder und Jugendliche, diskutiert. In der medialen und politischen Diskussion wird auch immer wieder über ein generelles Bettelverbot gesprochen. Hierbei werden Behauptungen (“Bettelmafia”) und Vorurteile (“Armutsmigranten sind immer Roma”) laut. Es gibt kaum jemanden, der widerspricht. Am 19. September werden in Dresden in einer Polizeiverordnung Empfehlungen über den politischen Umgang veröffentlicht und im Anschluss medial und im Stadtrat diskutiert werden. Die bisherige Debatte zeigt, dass die Betroffenen nicht zu Wort kommen und es zur Vermischung von “Roma” und “Betteln” kam. Den Diskutanten mangelt es an Perspektivwechsel. Der Film “Natasha” von Ulli Gladik zeigt ein sehr sensibles Porträt, lässt der Protagonistin, eine bulgarische Romni, eine Darstellung auf Augenhöhe zu.

Die Bettellobby Dresden ist in Gründung, ein Netzwerk verschiedener Initiativen u.a. Gruppe gegen Antiromaismus, Flüchtlingsrat Sachsen, gruppe polar, RomaRespekt, Romano Sumnal – Roma-Verein-Sachsen, FAU Dresden uvm.

Die Veranstaltungsreihe ist eine Kooperation mit Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen und wird aus Mitteln des Förderprogramms Grenzgänger der Robert Bosch Stiftung unterstützt.